2015 - 2016 / Deutschland (Germany) - Projekt "Sunlight Residence"

 

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Projekt / project

"Sunlight Residence"

Deutschland - Umbau einer bestehenden Landwirtschaft zu einer „Pferdepension" unter naturnahen und ökologisch sinnvollen Kriterien
Germany - redesign of an existing farm into a riding stable considering ecological criteria      

Verantwortungen / responsibilities:

Planung - Architektur und Landwirtschaft 
design - architecture and landscape

Projektpartner / project partner:

Josef A. Holzer (agroecological consultation)
Pascal Kriegsauer - Graphic Design 
Atelier Frühwirth - Graz (renderings)

Beschreibung / description:

Rekultivierung degenerierter Agrarflächen, "Pferdepension", Naturheilpraxis
recultivation of agricultural land, riding stable, naturopathic practice

Kategorie / category:

nachhaltige Landwirtschaft / Rekultivierung / ökologische Strukturbildung / Wasserretention
sustainable agriculture / ecological restauration / water retention

Chronologie / chronology:

2015 - 2016

 

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1. EINFÜHRUNG

1.1 AUFGABENSTELLUNG UND PROJEKTZIELE

Bei dem Projekt handelt es sich um eine bestehende Landwirtschaft mit einer zusammenhängenden Grundstücksfläche von ca. 5,63 ha.
Das Projektziel ist, diese bestehende Landwirtschaft in eine “naturnahe” Pferdepension für maximal 10 Pferde unter Berücksichtigung von permakulturellen Prinzipien umzustrukturieren. Angrenzend zu der bestehenden Hoffläche ist in jüngster Vergangenheit ein neues Wohnhaus gebaut worden. Dieses Wohnhaus beinhaltet auch eine “Naturheilpraxis”. Ein weiteres Ziel ist eine gute Abstimmung der privaten und öffentlich zu nützenden Flächen.

Somit bestehen auf dem Grundstück nun drei separate Hauptnutzungen, die in der Planung berücksichtigt werden:
● Wohnen
● Naturheilpraxis (gewerbliche Nutzung mit externer Kundschaft)
● Pferdepension mit Reithalle, Freilaufstall, Infrastruktur und Weideflächen

Im Einzelnen ist die Planung und Konzeptionierung der folgenden Aspekte vereinbart worden:

 

1.1.1 - Planung eines ausgeglichenen Wasserhaushaltes auf dem Grundstück

● Ausarbeitung eines nachhaltigen Konzeptes (Retention, Erosionsschutz, Hochwasserschutz, Brandschutz, Stabilisierung des Grundwasserspiegels, künstliche Bewässerung, Optimierung der Bodenfeuchte etc.) als essentielle Grundlage des gesamten Projektes. Dazu können sowohl künstlich angelegte als auch natürliche Teiche, Seen, Mulden, Bachläufe, Sumpfzonen etc. gehören. Im Einzelfall sind dieses unter anderem:
● Naturbadeteich in Hausnähe für private Nutzung
● „Badeteich“ für Pferde
● Feuchtbiotope und Teiche an geeigneten Stellen (idealerweise als Kaskadensystem miteinander verbunden) mit optionaler Zusatznutzung für extensive Aquakultur wie z.B. Fisch- /Krebszucht und / oder Wasserpflanzenzucht.
● Rekultivierungskonzept des bestehenden begradigten Wiesenbaches an der Nordgrenze
● „Natürliche“ Vor- und Nachklärbereiche in Form von Sumpf- und Flachwasserbiotopen je nach Bedarf und Sinnhaftigkeit / Amphibientümpel

 

1.1.2 - Definition der groben Aufteilung / Logistik der Hauptinfrastruktur auf dem Gelände

● Wege, Straßen, (Park-) Plätze
● Ver- und Entsorgung (z.B.: Ab- und Trinkwasser, Strom, Telefon, Gas), Rohrleitungsführungen
● Regenerative Energien (z.B. Sonnen-, Wind- und Wasserenergie)
● Grobkonzeptionierung von Pflanzenkläranlage(n) zur Vor- und / oder Nachklärung von Brauchwasser

 

1.1.3 - Entwurf eines Wegenetzes als zentralen Bestandteil des Gesamtkonzeptes

● Strategisch sinnvolle Positionierung der gesamten Infrastruktur, Gebäude, Wasserflächen, landwirtschaftlicher und „natürlicher“ Bereiche:
● Ausarbeitung der Zufahrts- und Parkmöglichkeiten für KFZ (nur 2 Zufahrten laut Bestand behördlich zulässig!)
● Planung geeigneter Manipulationsbereiche für Geräte und Fahrzeuge
● Konzeptionierung der Bewirtschaftungswege mit unterschiedlichen Anforderungen (z.B. ganzjährig, temporär, maschinell befahrbar, für Pferde)
● Vorschläge eines optimalen Zuganges für Gastpferde erarbeiten (Konfliktvermeidung mit anderen Aktivitäten)
● Funktionale Betriebsabläufe gewährleisten

 

1.1.4 - Zonen von Gebäuden und baulichen Strukturen festlegen

● Erstellung eines groben Bebauungs- und Flächenkonzeptes. Das beinhaltet u.a. die planerische Unterstützung für die Entscheidung von Standorten, geeigneten Ausrichtungen und Größenordnungen:

● Vorschläge zur Umnutzung bzw. Adaptierung der bestehenden sowie Positionierung neuer Gebäudestrukturen

● Sattelkammer (n)
● Futterlager
● Eingangsbereich mit Hofladen und Sitzplätzen (eventuell kleinen Gastrobetrieb als Option vorsehen)
● Freilaufställe für Pferde
● Lager- und Verarbeitungsräume
● Sanitäranlagen für Personal und Gäste
● Integration der „Neubau“ -Reithalle / Reitplatz
● Geeignete und ausreichende Pferdetränken
● Anbindemöglichkeiten / Putzbereiche für Pferde in Eingangsnähe vorsehen
● Einarbeitung naturnaher Fütterungskonzepte wie z.B.: Heufütterung „Heu-to-go“
● Berücksichtigung naturnaher Lösungen, um den Bewegungsbedarf von Pferden zu decken, wie z.B. „Extreme Trail Parcours“ sowie „Parcours“ für geführte therapeutische Angebote
● Schall- und Sichtschutz zur Landesstrasse im Westen

 

1.1.5 - Strategisches Bepflanzungs- und landwirtschaftliches / gärtnerisches Bewirtschaftungskonzept

● Zeichnerische Definition sinnvoller Bereiche für einjährige Kulturen (z.B. Garten, Hausacker mit Fruchtfolge) und mehrjährigen Pflanzen (z.B. Hecken, Obstbäume, Kräuter, Sträucher) in Abhängigkeit von der angestrebten Nutzung
● Sinnvolle Kreislaufnutzung von anfallender Biomasse (Baumschnitt, Stallmist, etc.)
● Minimierung von Bodenverdichtung durch Pferde
● Erhaltung und Förderung von Biodiversität auf den Weideflächen
● Möglichkeiten der Selbstversorgung und landwirtschaftliche Produktion

 

1.1.6 - Unterteilung des Projektgebietes in intensiv und extensiv genutzte Bereiche

● Fließende Übergänge unter Berücksichtigung maximaler Flexibilität im Falle von zukünftigen Nutzungsänderungen
● Hauptaugenmerk wird immer auf die Erhaltung und Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit gelegt
● Planung von diversen und vielfältigen Biotoptypen je nach geeignetem Standort
● Strategien zur Erhaltung und Verbesserung des ökologischen Gesamtzustandes des Grundstückes

....

6. ZUSAMMENFASSUNG / FAZIT

Der gesamte Betrieb wird in dem Gesamtkonzept als “System” behandelt, bei dem die Gesamtheit der verschiedenen Aspekte viel größer ist als die Summe ihrer einzelnen Teile.

Fokus für alle Vorschläge bei dem vorliegenden Projektentwurf ist die Herstellung einer ästhetisch ansprechenden und gut funktionierenden “Pferdepension”. Alle Lebewesen auf diesem Grundstück sollen sich hier wohlfühlen: Menschen, Pflanzen und Tiere, insbesondere die Pferde.

Die kompakte Planung der unterschiedlichen Funktionsbereiche des Betriebes bedingt eine ständige Interaktion zwischen Menschen und Pferden, sowohl innerhalb, als auch zwischen den einzelnen Gruppen.

Bereits bei der Ankunft auf den Betrieb über die zentrale Hauptzufahrt ist ein direkter Blick sowohl auf den Gastgarten der “Reiterstube” als auch auf den Freilaufbereich der Pferde gegeben. Untergeordnete Bereiche, wie die PKW Abstellplätze, sind zwar nicht im direkten Blickfeld, aber dennoch in guter räumlicher Nähe des Hofzentrums.

Der offene Brunnentrog neben dem Gastgarten im Zentrum des Betriebes ist ein sowohl ein wichtiges funktionales als auch ästhetisch hochwertiges Element. Das leise Plätschern des fließenden Wassers, die punktuelle Nutzung der Tränke durch Pferde, sowie der kühlende Effekt im Sommer, können als sehr beruhigend und angenehm empfunden werden.

Ständige Blick- und Körperbeziehungen zwischen Mensch und Pferd werden nicht nur im Außenbereich ermöglicht, sondern auch innerhalb des Stallgebäudes. Die raumhohe Glaswand zwischen Liegestall und “Reiterstube” ermöglicht eine Fortführung des unmittelbaren engen Blickkontakts zwischen Mensch und Pferd des Außenraumes auch im Innenraum. Im angrenzenden, unbeheizten Stallgang ist dann auch wieder ein direkter Körperkontakt zwischen Mensch und Pferd möglich

Die räumlich eng verbundenen notwendigen Funktionen, für beispielsweise die Benutzung der Reithalle oder die entsprechenden Vorbereitungen für einen Ausritt, sind auch hier sehr kompakt und mit klaren Abläufen angeordnet. Dadurch entstehen natürlich auch wieder viele wünschenswerte Interaktionen zwischen Gästen und Pferden.

Der erste Eindruck des Hofes ist von den natürlich geprägten Baumaterialien der adaptierten baulichen Strukturen, Holz und Stein sollen hier dominieren, großzügig angelegten Grünflächen mit bereits etablierten Baum- und Strauchgruppen und dem engen Bezug zu den Pferden, geprägt.

Die Präsenz von vielen verteilten offenen Wasserflächen auf dem stark strukturierten Gelände unterstützt das generelle Gefühl, sich inmitten eines harmonischen und naturnahem Lebensraumes zu befinden. Nicht nur Menschen und Pferde bewohnen den Betrieb, sondern auch unzählige andere Lebewesen, deren Vielfalt und Artenreichtum aufgrund der diversen Lebensräume sehr groß ist. Unterschiedlichste Vögel, Insekten, Amphibien, Reptilien, Fische sowie diverse Säugetiere werden hier viele Nischen vorfinden, die sie bewohnen können und in denen sie sich wohlfühlen werden.

Dieses hat natürlich auch einen sehr hohen qualitativen ästhetischen Wert für Bewohner und Gäste, wenn sie z.B. bei Vogelgezwitscher und Wassergeplätscher einen Frühstückskaffee im Gastgarten trinken, aus der Reithalle dem Spiel von Libellen im „NaturAupark“ zuschauen oder vom Quaken der Frösche während der Bewältigung des Hindernisparcours „Extreme Trails“ begleitet werden.

Wasser spielt auf dem Grundstück eine sehr wichtige Rolle. Durch die dezentrale Speicherung und Mehrfachnutzung der natürlichen Wasserressourcen entstehen unter anderem auch Teiche für Mensch, Tier und “Natur”. In den heißen Sommermonaten ist in deren Umgebung das lokale Mikroklima etwas kühler und wird somit als sehr angenehm empfunden, die zusätzliche Möglichkeit zu baden ist natürlich ein weiterer Bonus dieser Feuchtbiotope.

Alle diesen angeführten Aspekte sollen in einer naturnahen und harmonischen Vision münden.

Eine positive Vision für das gesamte Grundstück ist letztendlich die Quelle, die zu einer erfolgreichen Umsetzung führt.

       

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